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Da bin ich! Neuer Ortungsdienst bei Facebook
(24.08.2010)

Viele Telefongespräche fangen mit immer derselben Frage an: "Wo bist Du gerade?" Auch viele SMS informieren in erster Linie über den aktuellen Standort. Irgendwie möchte man halt wissen, wo Freunde und Familienangehörige sich gerade aufhalten.
Moderne Handys setzen Freunde heute auf Wunsch automatisch ins Bild. Es gibt spezielle Onlinedienste, die den aktuellen Aufenthaltsort ermitteln und ihn in einer Onlinekarte anzeigen. Google Lattitude beispielsweise verrät den Aufenthaltsort straßengenau und zeigt ihn in Google Maps an. Wer sich nicht so präzise orten lassen möchte, kann auch lediglich verraten, in welcher Stadt er sich gerade befindet. Ob nur Freunde diese Info bekommen oder alle, kann jeder Lattitude-Benutzer selbst entscheiden. Alles eine Frage der Einstellungen.
Aktuellen Aufenthaltsort in der Onlinekarte anzeigen
Google Lattitude ist aber keineswegs der einzige Kanal, um den Standort mitzuteilen. Nicht wenige verschicken Twitter-Meldungen oder schreiben Postings in sozialen Netzwerken, wenn sie ein bestimmtes Restaurant oder Café betreten. In der Hoffnung, Freunde bekommen es mit und setzen sich dazu, falls sie gerade in der Nähe sind. Dienste wie Foursquare und Gowalla haben sich auf genau solche Anwendungen spezialisiert und diese perfektioniert. Einmal eingerichtet, informieren sie vollkommen automatisch, wenn man einen Shop, ein Restaurant oder ein Café betritt - und auch, wenn man es wieder verlässt. Die Freunde sind so immer im Bilde.
In den USA sind solche Dienste derzeit äußerst populär, in Deutschland stoßen sie hingegen auf eine gewisse Skepsis. Nicht zu Unrecht, denn in punkto Datenschutz ergeben sich durchaus einige Fragen. Doch die Popularität könnte auch hierzulande zunehmen, denn nun hat mit Facebook auch der größte Onlinedienst der Welt einen eigenen Ortungsdienst gestartet. Ab sofort kann jeder seinen Freunden über Facebook mitteilen, wo er sich gerade aufhält. "Facebook Places" nennt sich der neue Dienst, in Deutschland "Facebook Orte". In den USA ist der Dienst bereits gestartet, in Deutschland soll es bald so weit sein.
Handy ermittelt automatisch den Standort und informiert alle
Das Prinzip ist einfach: Der Benutzer muss nicht mehr "Bin im Café am Neumarkt" ins Handy tippen, denn dank Facebook Places merkt das Handy von ganz alleine, wenn er das Café betritt und informiert automatisch alle Freunde. Ebenso, wenn er das Café wieder verlässt. Facebook Places informiert wahlweise alle, nur Freunde oder auch nur ausgewählte Personen. All das natürlich nur, wenn das ausdrücklich gewünscht ist.
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azu muss ein iPhone oder ein anderes modernes Handy her, das in der Lage ist, den aktuellen Aufenthaltsort zu ermitteln. Facebook hat seine iPhone-App entsprechend aufgerüstet. Aber auch andere moderne Smartphones können benutzt werden, zumindest wenn die mobilen Browser HTML5 unterstützen und über eine Ortungsfunktion verfügen. Dann reicht es aus, mit dem mobilen Browser die Adresse touch.facebook.com anzusteuern.
Facebook kooperiert mit bewährten Ortungsdiensten
Facebook startet zwar einen eigenen Ortungsdienst, stellt sich aber nicht in Wettbewerb zu den bekannten Diensten Foursquare und Gowalla, sondern kooperiert mit ihnen. Es ist möglich, über Facebook die Benutzer bei Gowalle und Foursquare zu informieren - und umgekehrt. Da Facebook weltweit über 500 Millionen Mitglieder hat, dürften Ortungsdienste häufiger genutzt werden und auch populärer werden.
Sie dürften aber auch ins Visier der Datenschützer geraten, für die solche Dienste natürlich ein Albtraum sind. Denn sie versorgen Facebook mit noch mehr Daten als ohnehin schon: Facebook weiß dann sogar ganz konkret, wo man sich aufhält, wo man am liebsten Kaffee trinken geht und vieles andere mehr. Der einzelne Benutzer wird noch gläserner. Da Facebook kaum Auskunft darüber gibt, welche Daten erhoben werden, wie lange diese gespeichert und zu welchem Zweck die Daten eingesetzt werden, sind die Bedenken der Datenschützer nicht unberechtigt.
Mögliche Verwicklungen und angehäufte Datenberge
Von möglichen Verwicklungen, was alles passieren kann, wenn man behauptet, man sei gerade ganz woanders, während die Facebook-Seite den tatsächlichen Aufenthaltsort zeigt, mal ganz zu schweigen. Wer Ortungsdienste nutzt und die Einstellmöglichkeiten nicht richtig anwendet oder irgendwann mal vergisst, den Ortungsdienst wieder abzuschalten, kann in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.
Für Facebook ist das Ganze mittel- bis langfristig ein gutes Geschäft. Denn in der Branche ist bekannt: Der mobile Werbemarkt wächst derzeit am schnellsten. Wer den genauen Aufenthaltsort eines Benutzers kennt, kann bessere, präzisere Werbung schalten - und verdient mehr Geld.
Viele nutzen Ortungsdienste wie Foursquare, Gowalla und Facebook Places sehr gerne. Wenn alle im Freundeskreis mitmachen, muss man sich weniger abstimmen und seltener "Wo bist Du gerade?" fragen. Das hat durchaus seine Vorteile. Wer alles vernünftig konfiguriert, kann sicherstellen, dass auch wirklich nur die eigenen Freunde erfahren, wo man gerade ist. Aber es bleibt eben ein Restrisiko, dass mal etwas schief läuft. Außerdem ist nicht klar, welche Daten Facebook anhäuft und was damit angestellt wird.
(Ein Beitrag von Jörg Schieb)
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