Freitag, 18. Mai 2012

Aktuell

Facebook weiß, was Du gestern getan hast

(04.07.2011)

Facebook ist ein Phänomen: Obwohl kaum eine Woche vergeht, in der nicht Datenschützer aufschreien und sich lauthals über die ungenierte Datensammelwut des sozialen Netzwerks beschweren, strömen die Menschen immer noch in Scharen in den ungebrochen populären Onlinedienst: Über 700 Millionen Mitglieder hat Facebook weltweit bereits - und das Wachstum scheint kaum zu stoppen.

Die User-Daten machen den Wert von Facebook aus

So viele Mitglieder machen Facebook wertvoll: Auf 100 Milliarden Dollar schätzen Experten dann auch den Wert des Netzwerks, mehr als Deutsche Bank, Deutsche Post und Lufthansa zusammen. Ganz schön viel für ein Unternehmen, das eigentlich "nur" eine Onlineplattform anbietet, auf der sich Menschen treffen, austauschen und informieren. Aber Facebook ist eben längst sehr viel mehr. Für viele ist Facebook die erste Anlaufstelle im Web geworden - und die wichtigste.

Der eigentliche Wert sind die Benutzer, oder besser: die Daten der Benutzer. Facebook sammelt unbemerkt jede Menge Informationen, mehr Daten, als den meisten klar ist. Jeder, der Facebook verwendet oder besucht, füttert die Datenbanken mit Informationen über sich selbst. Das fängt bei den freiwillig und wissentlich hinterlegten Daten im Profil an und hört bei den Hobbys und Vorlieben längst nicht auf. Denn durch das Besuchen von Gruppen oder Themenseiten, durch das Bestätigen öffentlicher Termine oder die Verwendung von Apps verrät der Benutzer jede Menge über sich, in der Regel, ohne sich darüber bewusst zu sein. Facebook registriert all das - und kann seine Schlüsse daraus ziehen. Das Profil wird schärfer.

Größte Datensammelaktion im Web: Der "Gefällt mir"-Button

Längst sind viele selbst dann mit Facebook verbunden, wenn sie gerade nicht bei Facebook sind. Weil immer mehr Webseiten den " Gefällt mir"-Button auf ihren Webseiten einbauen, reicht ein Klick auf den blauen Knopf, um Kontakt zu Facebook herzustellen. Der kurze Mausklick verrät dem Unternehmen, auf welcher Webseite man sich aufhält - und was einem gefällt. Was viele allerdings nicht wissen: Der "Gefällt mir"-Button liefert selbst dann Informationen an Facebook, wenn man nicht darauf klickt. Allein, dass der Button auf der Webseite ist, reicht schon. Selbst über Nicht-Mitglieder kann Facebook auf diese Weise Daten sammeln und beispielsweise Interessensprofile erstellen.

Facebook droht deswegen in den USA eine Sammelklage. Fest steht: Facebook erfährt eine Menge über User und Nicht-User, allein durch die Präsenz des "Gefällt mir"-Buttons auf fremden Webseiten. Facebook nutzt solche Informationen erfahrungsgemäß, um den Informationsfluss zu filtern und zu gewichten. Die eigenen User bekommen bevorzugt Infos gezeigt, die zu ihrem - vermeintlichen - Interessensgebieten gehören. Infos über andere Themengebiete, die möglicherweise weniger interessant zu sein scheinen, werden ausgeblendet. Welche Gebiete das sind, entscheidet im Zweifel Facebook, und zwar anhand der Daten, die das Unternehmen über die User gesammelt hat.

Welche Daten erhebt Facebook - und zu welchem Zweck?

Ob das Onlinenetzwerk von diesen Möglichkeiten Gebrauch macht und wie intensiv, ist nicht bekannt. Denn welche Daten Facebook konkret erhebt und speichert, wie lange diese Daten gespeichert bleiben und wie sie miteinander verknüpft werden oder was das Unternehmen mit all den Daten überhaupt vorhat, verrät Facebook nicht. Facebook lässt Kunden und Datenschützer gerne im Ungewissen. Anfragen werden nicht oder unbefriedigend beantwortet.

Facebook sammelt so viele Daten wie möglich, eben weil das im Interesse der Firma ist. Im Interesse der User ist das allerdings ganz sicher nicht. Deshalb sollte sich jeder ganz genau überlegen, welche Daten er dem amerikanischen Unternehmen anvertrauen möchte, wie viel er von sich preisgeben will. Da hat jeder eine andere Hemmschwelle, deshalb lassen sich unmöglich allgemein übliche Empfehlungen geben. Fest steht: Wer sich in einem sozialen Netzwerk tummelt und die Möglichkeiten nutzen möchte, der muss natürlich auch etwas über sich preisgeben, sonst ist es für Freunde zu langweilig. Die Frage ist daher immer, was man konkret über sich preisgibt.

Datensparsamkeit ist Trumpf

Grundsätzlich gilt das Gebot der Datensparsamkeit. Und das bedeutet konkret: Je weniger Informationen man von sich preisgibt, desto besser. Deshalb sollte sich jeder fragen: Muss wirklich jedes Foto bei Facebook hochgeladen werden, womöglich mit Ortsangaben und genauen Hinweisen, wann die Aufnahme entstanden ist und wer darauf zu sehen ist? Muss wirklich immer die "Places"-Funktion genutzt werden, die eben nicht nur Freunden, sondern auch Facebook verrät, in welcher Stadt man sich aufhält oder welches Café man gerade betreten hat? Sicher nicht. Auch viele Apps sind entbehrlich, auch müssen nicht alle denkbaren Informationen ins Profil eingetragen werden.

Datensparsamkeit eben. Eine Hilfe kann auch sein, den "Gefällt mir"-Button erst gar nicht in den Browser zu lassen, denn wenn der Button nicht angezeigt wird, kann Facebook auch keinerlei Daten erheben. Für Firefox gibt es ein praktisches Add-On, das den Facebook-Button aus dem Web verbannt. Dazu den kostenlos erhältlichen Werbeblocker "Adblock Plus" verwenden, den es unter www.springhin.de/adblock zum Download gibt. Danach muss noch eine Filterregel eingerichtet werden, die dem AdBlocker sagt, dass Facebook unerwünscht ist. Hierzu ins Einstellungsfenster des Add-Ons "Adblock Plus" wechseln und auf "Filter hinzufügen" klicken. Anschließend folgende Filterregel ergänzen:

facebook.com^$third-party
facebook.com^$domain=~facebook.com|~facebook.net|~fbcdn.com|~fbcdn.net
facebook.net^$domain=~facebook.com|~facebook.net|~fbcdn.com|~fbcdn.net
fbcdn.com^$domain=~facebook.com|~facebook.net|~fbcdn.com|~fbcdn.net
fbcdn.net^$domain=~facebook.com|~facebook.net|~fbcdn.com|~fbcdn.net

[Ein Beitrag von Jörg Schieb]

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Wie denken Sie über Facebooks Daten-Sammelwut?

Bruno K. | Ich brauche mehr Details | 06.07.2011 10:19

Vielen Dank für den Hinweis mit Adblock! Was für Informationen liefert denn der Gefällt-mir-Button ohne Klicken weiter? Und wie?

Míchael Schnell, Projektleiter Internet-ABC | @ Bruno K. | 06.07.2011 16:00

Hallo Herr K., wir haben noch ein paar Linktipps unter den Artikel gesetzt. V.a. der Beitrag des Literaturcafés erläutert gut, welche Daten durch den Gefällt-mir-Button an Facebook geliefert werden. Viele Grüße Míchael Schnell, Projektleiter Internet-ABC

Eeli | Hä | 10.08.2011 17:38

ich verstehe nicht ganz

xara99 | Facebook ist kake! LÖSCHT ES FÜR IMMER!!! | 10.08.2011 19:54

Ich bin bei facebook, aber nur wegen City Ville und weil viele Zeitschriften ihre Informations Seiten dort haben! Ich chatte eigentlich nur mit wkw, icq oder bei Onlinegames! Bei facebook (und allen anderen) gebe ich außerdem gar keinen Daten preis, und wenn was sein muss, schreibe ich etwas dass nicht stimmt hin! Ich werde gleich den "Gefällt mir" Button verbannen :D Außerdem logge ich mich bei facebook dann immer aus. Könnte es trotzdem die Daten für mein Profil speichern? Ach ja, ich hab auch keine Bilder drin, weil facebook nämlich alle Urheberrechte übernimmt! Sie könnten zum Beispiel mein facebook Profilbild ohne weiteres auf ein riesiges "Bild" Plakat drucken! Echt alles voll die schweinerei! Ganz ehrlich, die Polizei oder wer auch immer das regelt sollte die Seite einfach sperren! Andere Seiten könnten auch einfach "Gefällt mir" Buttons ganz allein für ihre Seite einrichten, oder? Naja, ich finde es eigentlich bekloppt (bis auf City Ville)! Liebe Grüße, eure xara99!

xara99 | Thank you! | 10.08.2011 20:54

Danke nochmal, habe das Add-on runtergeladen! Bei den Seiten wird kein "Gefällt mir" Button mehr angezeigt! 5 Sterne als Bewertung!

southtone1 | naja | 07.09.2011 13:17

Also ich finde es gar nicht verwerflich was Facebook macht. Ich finde es viel verwerflicher das sich Menschen die sich und ihr Surf oder ingesammtes verhalten im Internet, nicht im Griff haben und Facebook die Schuld geben. Denn Facebook nutzt wozu die Daten? Ganz Logisch wenn man es wirtschaftlich sieht um personaliesierte Werbung zu schalten wenn man auf der Seite ist. Und wozu das alles ?? Damit sie Geld verdienen. Es ist doch das gute Recht einer jeder Werbeagentur seine Produkte dennen anzubieten die sie brauchen. Was soll ich denn zum Beispiel einem Bauern die neuesten Aktiendepotanlagen zeigen wenn er doch eher einen neuen Trecker braucht. Und natürlich umgekehrt. Also ich bin schon froh das ich mit der Werbung konfrontiert werde die eher auf mich zugeschnitten ist als das ich mit Zalando Schuhwerbung zugebombt werde. Ach und jetzt kommen wieder die die danach schreien das Werbung eh nervt im Internet. Aber denkt dann mal nach. Das ist das Web 2.0 es ist für den User im allgemeinen kostenlos. Denkt dann auch mal dran das man früher versucht hat alles kostenpflichtig im Internet zu machen. Und was ist passiert. Ende der 90er sind die dotcoms zusammengebrochen an den Börsen. Da ist mir das heutige prinzip doch lieber. Und es verlangt ja von keinem das jemand auf die Werbe banner drückt. KEINER. Aber dann wird dann lieber von einigen Landesregierungen vorgeschlagen das jemand der auf seiner Firmenseite den "gefällt mir" Button hat , entweder den entfernen muss oder eine Strafe von 50.000 € zahlen muss. Wer sagt denn den Leuten das sie den Buttoon drücken MÜSSEN ?? Kein Mensch sagt das. Jeder ist doch selber für sein Handeln verantwortlich. Und wenn ich jemanden das mitteilen möchte das mir Firma XY gefällt sollte man demjenigen das auch zugestehen. Ich sag ja auch jedem wenn mir was gefällt. Nur Facebook ist ja der grosse Böse. Also jeder sollte selber seine Kompetenz abwegen können sowas drücken zu wollen oder nicht und sich das nicht wie immer alles von den Politikern vorkauen lassen. Denn sowas ist Zensur. naja in diesem Sinne

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