Spiel des Monats (Mai 2008)
Experience 112

USK Wertung:
Freigegeben ab 12 Jahren
Mit "Experience 112" bläst ein frischer Wind durch die staubige Adventure-Landschaft: Die spannende und geheimnisvolle Geschichte und die innovative Spielsteuerung machen richtig Laune auf stundenlangen Rätselspaß!
Experience 112

So ein richtig spannendes PC-Adventure ist schon eine feine Sache, weil in aller Ruhe gerätselt, geknobelt und kombiniert wird. Seit dem kürzlich wieder aufgeflammten Adventure-Revival wird aber allen Spielern eine Sache immer klarer: Etwas richtig Neues scheint den Produzenten nicht einzufallen. Auf Dauer wirkt es einfach nur ermüdend, jeden neuen Spielort akribisch abzusuchen, haufenweise Krimskrams einzusammeln und dann zu den abenteuerlichsten Kombinationen zusammenzupuzzeln, um weiter zu kommen. Eine Ausnahme ist das Mystery-Adventure "Experience 112", das die verschnarchte Adventurelandschaft endlich aus ihrem tiefen Dornröschenschlaf erweckt. Neben der geheimnisvoll düsteren Geschichte faszinieren vor allem die innovative Steuerung und Spielansicht.
Die Geschichte

Ohne Erinnerung an die letzten Ereignisse erwacht die Wissenschaftlerin Lea Nichols an Bord eines Geisterschiffs aus langer Bewusstlosigkeit. Die Inneneinrichtung wurde zerstört, die Mitarbeiter leben nicht mehr und überall haben sich Pflanzen ausgebreitet. Erst nach und nach kommt Lea dahinter, dass die Forscher Kontakt zu einer fremden Spezies hatten: Bei den unterirdisch lebenden Tyriaden handelt es sich um insektoide Wesen mit menschlichem Körperbau. Schon vor tausenden von Jahren wurden sie unter die Erdoberfläche verbannt. Eine mächtige Organisation scheint offensichtlich alles daran zu setzen, jegliche Erinnerung an die Tyriaden zu löschen. Langsam entschlüsselt Lea, ob nun die Tyriaden oder menschliche Verschwörer für das Debakel auf dem Schiff verantwortlich sind. Mutig sucht sie Kontakt zu den fremden Wesen und betritt ihre Welt. Doch schafft sie dies nicht ohne Hilfe.
Das Gameplay

Wenn der Spieler zum ersten Mal den verrosteten Supertanker betritt, avanciert er sofort zum Mitarbeiter einer Überwachungszentrale und hat Zugriff auf den Lageplan der verschiedenen Schiffsdecks. Von hier aus aktiviert er die überall auf dem Schiff installierten Kameras. Dazu klickt der Spieler nur auf die Kamera-Zeichen und beobachtet dann die Handlung auf drei kleinen Bildschirmfenstern aus verschiedenen Perspektiven. Von dieser Schaltzentrale aus bringt er die Geschichte des Adventures voran. Gar nicht so einfach. Aber obwohl seine Mittel limitiert sind und er nicht direkt mit Lea sprechen kann, richtet er doch eine ganze Menge aus. So schaltet er Lichter an und aus, aktiviert Computer, öffnet und schließt Türschleusen oder setzt Greifroboter ein, um die Aufmerksamkeit der Wissenschaftlerin Lea Nichols zu erregen. Sie erkennt im Spieler einen nützlichen Helfer, und sie bewegt sich immer nur in die Richtung des Lichts oder einer geöffneten Tür.
Mit detektivischem Spürsinn

Der Spieler lotst Lea mit Hilfe der Deckpläne durch die fünf Etagen des Schiffes. Sie durchsucht Kabinen und bei rechtzeitiger Aktivierung der richtigen Objekte, schaltet die Wissenschaftlerin Computer ein, um Daten zu entdecken oder persönliche Aufzeichnungen mit geheimen Passwörtern in Schränken zu finden. Sie stößt auf Speicherdisketten mit Updates, die es ermöglichen, die Kameras scharf zu stellen oder Wärme- und Nachtsicht einzuschalten. Kniffelig wird es, wenn ein Mitarbeiter seine sensiblen Daten kryptologisch verschlüsselt hat. Natürlich verraten die Mitarbeiter in ihren E-Mails dann doch des Rätsels Lösung. Doch es braucht schon detektivischen Spürsinn.
Unheimliche Atmosphäre

Trotz eingeschalteten Lichts wirkt die Atmosphäre des Schiffes schummerig und düster. Die elektronische Musik trägt ebenfalls ihren Teil zu Spannung zu Stimmung bei. Zugegeben: An die ungewöhnliche Steuerung muss sich der Spieler erst einmal gewöhnen. Aber auch wenn mehrere Kamerafenster, Code-Eingabefelder oder Mails geöffnet sind, behält der Spieler dabei stets einen guten Überblick und das Gefühl, wirklich in der Überwachungszentrale zu schalten und zu walten. Das Niveau der Rätsel bleibt auch für ungeübte Spieler nicht all zu schwer.
Fazit

Die dreidimensionale Grafik ist zwar nicht superdetailliert, passt aber ausgezeichnet zur Atmosphäre des Spieles. Wirklich gruselig werden die Darstellungen dabei nie. Weder mutierte Vögel, die um einen Kadaver kämpfen, noch der rote Fleck um einen toten Sicherheitsmann können Spieler ab zwölf Jahren wirklich erschrecken. Es gibt allerdings auch etwas zu nörgeln. So leuchtet es wirklich nicht ein, warum Lea Nichols, die kühlen Unter- oder Außendecks barfuss und im hochgeschlitzten Minikleid erkundet. Darüber hinaus fällt die Navigation mit der Maus manchmal einen Tick zu fummelig aus, um die kleinen Lageplan-Icons der Lampen oder Computer ein- oder auszuschalten. Kleinigkeiten für ein ansonsten großes Adventure.